Islam und Finanzkrise II
Der Anfang April in London abgehaltene G20-Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen – mit Saudi-Arabien und der Türkei übrigens nur mit zwei muslimischen Nationen als Teilnehmer – führte zu umfassenden und weitreichenden Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs der G20 im Hinblick auf die Bekämpfung der Folgen der gegenwärtigen Finanzkrise. Neben mehr oder weniger kosmetischen Gesetzesentwürfen, die wenig zur Krisenlösung beitragen werden, wie z.B. Maßnahmen gegen Steuerparadiese und Initiativen für die Aufhebung des Bankgeheimnisses, wurden hingegen auch strengere Finanzmarktaufsichtsregeln beschlossen, die dabei helfen sollen, mehr Vertrauen und Transparenz zu schaffen, um in der Zukunft eine Finanzmarktkrise dieser Art zu vermeiden. Unter strengere staatliche Kontrolle fallen insbesondere auch hochriskante Finanzprodukte, wie z.B. Hedgefonds, und Bonuszahlungen für Manager, die bislang für das kurzfristige Risiko belohnt wurden, sowie höhere Anforderungen der Risikoabsicherung für Banken.
Nach dieser wichtigen Kompromissfindung der 20 größten Industriestaaten wird die nächste Herausforderung darin liegen, diese Beschlüsse umzusetzen. Zunächst müssen die gemeinsamen Grundsatzentscheidungen der Staats- und Regierungschefs nationale Gesetzgebungsverfahren durchlaufen, bevor sie auf nationaler und vor allem in Koordination auf internationaler Ebene angewendet werden können. Der Prozess der Umsetzung wird zweifellos begleitet von Ungenauigkeiten, Ausnahmeregelungen und Schlupflöchern, so dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, die Ziele des Gipfelbeschlusses von London zumindest nicht in dem Maße realisieren zu können, wie es beabsichtigt gewesen ist. Damit ist es zwar insgesamt unwahrscheinlicher geworden, dass es in absehbarer Zukunft nochmals zu einer derart schwerwiegenden Finanzkrise kommt, jedoch ist die ursprüngliche Gefahr der Übertreibungen an den Märkten in beide Richtungen – nach unten und nach oben – damit noch längst nicht gebannt. Hinzukommt das Dilemma, wer die Kontrolleure eigentlich kontrolliert, die für die Sicherheit des Finanzsystems und somit für den Wohlstand der Gesellschaft verantwortlich sind. Schließlich sind die staatlichen Aufsichtsbehörden, deren Aufgabe es ja eigentlich ist, Verwerfungen im Finanzsystem frühzeitig zu erkennen, alles andere als unschuldig an der Krise – auch wenn sie jetzt gerne mit dem Finger auf Manager und Banker zeigen.
Das Shariah-konforme Finanzsystem geht hier einen anderen Weg und setzt gerade am Ursprung einer Finanzkrisengefahr an. Für Finanzmärkte, Finanzinstitute (Banken, Versicherungen, Investmentgesellschaften) und private Investoren gilt ein striktes Verbot (haram) für die Nachfrage und das Angebot von Finanzprodukten mit unkalkulierbaren Risiken, die in der Regel die Ursache von Spekulationsblasen bilden. Die Vorgaben der Shariah decken ein weites Spektrum von Finanzierungs- und Anlageprodukten ab, so dass keine Einschränkungen der wirtschaftlichen Freiheit jedes Einzelnen verbunden sind. Dabei schreibt die Shariah eine faire Verteilung von Ertrag und Risiko zwischen Geldnehmer und Geldgeber vor, die im Sinne einer Partnerschaft zusammenarbeiten und auf diese Weise langfristige und nachhaltige Grundsätze in den Vordergrund treten, die für beide Partner einen höheren Gewinn bedeuten. Kurzfristiges Gewinnstreben ohne Rücksicht auf die Zukunft und Zockerei mit Werten, die nur auf dem Papier bestehen, sind hier nicht möglich.
Shariah-konforme Banken weisen prinzipiengemäß höhere Eigenkapitalquoten auf, die zu mehr Einlagensicherung der Kunden führt. Die Forderungen des G20-Gipfels nach höherer Eigenkapitalunterlegung bleiben weit unter den Quoten, die Islamische Banken aufweisen. Dass westliche Banken sich lange damit brüsteten, wenig Eigenkapital zu haben, hat mehrere Gründe: Je weniger Eigenkapital eine Bank hat, desto risikoreicher wird sie handeln, weil sie a) dadurch eine höhere Verzinsung auf ihr Eigenkapital erzielen kann, b) umso weniger mit eigenem Kapital haftet und c) am Ende darauf hofft, „dass schon irgendwie der Steuerzahler den Verlustfall tragen wird“, wie es aktuell in der Krise der Fall ist. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren – dieser in der gegenwärtigen Krise üblichen Praxis hat das Islamische Finanzsystem schon immer einen Riegel vorgeschoben. Und vor der Herausforderung einer internationalen Harmonisierung steht das Shariah konforme Finanzsystem daher auch nicht, weil dessen Grundsätze überregional und überstaatlich, von Allah gegeben, weltweit dieselben sind.
Auf eine Formel gebracht wird im System westlicher Industrieländer versucht, überhöhte Risiken, die Glücksspiel- und Spekulationscharakter haben (Maysir, Gharar), möglichst effizient zu beaufsichtigen, während im Shariah-konformen Finanzsystem diese Risiken erst gar nicht zugelassen werden. Die Reformbestrebungen der G20 in Richtung mehr Stabilität an den Finanzmärkten sind indirekt auch ein - richtiger - Schritt in Richtung des Shariah-konformen Bankgeschäfts.
Auf dieser Grundlage will Islam-Investor mit starken Partnern, die ausschließlich nach den Vorgaben der Shariah arbeiten und von islamischen anerkannten Organisationen zertifiziert worden sind, Ihnen den Zugang zu Finanzprodukten verschaffen, die es Ihnen erlauben, Ihren islamischen Glauben vollständig auszuleben und der langfristig für die gesamte Gesellschaft zu mehr Wohlstand und wirtschaftlichem Erfolg führt.
