Die Muslimische Welt
Die muslimische Welt erstreckt sich von Teilen Westafrikas über Nordafrika, die arabische Halbinsel, den arabischen Golf, über den Kaukasus und Südasien bis hin nach Südostasien. Jeder vierte der ca. 6 Mrd. Menschen weltweit ist ein Muslim – insgesamt also knapp 1,5 Mrd. Die meisten davon leben in Indonesien, inzwischen über 200 Mio. Nicht weit dahinter folgt Indien, mit geschätzten 150 bis 170 Mio. Muslimen de facto das zweitgrößte Muslime Land der Welt. Auch die Bevölkerungszahlen des Iran, der Türkei und Ägyptens liegen jeweils zwischen 60 und 80 Mio. In Saudi Arabien sind es mehr als 20 Millionen. Neben den mehrheitlich muslimischen Ländern gibt es zudem größere muslimische Minderheiten in nicht-muslimischen Ländern – das Beispiel Indien wurde bereits oben genannt. Aber auch in Europa machen Muslime eine der großen Minderheiten-Gruppen aus: auf etwa 30 Mio. wird die Zahl der Muslime in Europa geschätzt, etwa jeweils die Hälfte davon in Westeuropa und in Russland. Die größte muslimischen Minderheit Westeuropas findet man in Frankreich vor: beinahe 5 Mio. Muslime vorwiegend nordafrikanischer Abstammung leben hier. Die zahlenmäßig zweitgrößte Gruppe findet sich mit ca. 3,2 Mio. in Deutschland, wobei hier mit geschätzten 2,4 Mio. Menschen knapp drei Viertel der Muslime türkisch oder türkisch-stämmig sind. Weitere größere muslimische Minderheiten in Westeuropa gibt es in Großbritannien mit ca. 1,7 Muslimen vorwiegend pakistanischer und indischer Herkunft und in Spanien mit seinen ca. 1,2 Mio. vorwiegend nordafrikanisch-stämmigen Muslimen. Österreich und die Schweiz verfügen über jeweils ca. eine halbe Mio. Bewohner muslimischen Glaubens.
Die muslimische Welt ist in sich sehr heterogen. Neben den verschiedenen Glaubensrichtungen, von denen Sunniten und Schiiten die zahlenmäßig größten sind, gibt es auch noch innerhalb der einzelnen Glaubensrichtungen unterschiedliche Rechtsschulen des Islam. Der sunnitische Islam bspw. erkennt vier unterschiedliche Rechtsschulen an: die Hanafiten (nach Abû Hanîfa, gest. 767), die Mâlikiten (nach Mâlik ibn Anas, gest. 795), die Shâfiiten (nach ash-Shâfiî, gest. 820) und die Hanbaliten (nach Ahmad ibn Hanbal, gest. 855). Im schiitischen Islam existieren ebenfalls verschiedene Rechtsschulen. Alle Rechtsschulen legen die Shari’ah, das Islamische Recht, unterschiedlich aus. Die Unterschiede reichen dabei von kleinen inhaltlichen Differenzen bis hin zu gravierenden Differenzen. Das wiederum führt dazu, dass es keine einheitliche Rechtsgrundlage der Islamischen Welt gibt – mit den entsprechenden Auswirkungen auch auf Islamische Finanzdienstleister.

