Der Kaufmann und der Handel

Ausspruch (hadith) des Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm)

„Gold für Gold, Silber für Silber, Weizen für Weizen, Gerste für Gerste, Datteln für Datteln und Salz für Salz – gleiches für gleiches, dasselbe für dasselbe und von Hand zu Hand. Wenn die Ware sich unterscheidet, so könnt ihr handeln wie ihr wollt, soweit der Handel von Hand zu Hand erfolgt.“

Der Koran verbietet das Zinsnehmen („Riba“), während er das Handeln ausdrücklich gestattet. „Doch Allah hat den Handel erlaubt und das Riba-nehmen verboten“, steht im Koran (2. Sure, Vers 275).  Der Prophet Mohammed selbst war Händler und Kaufmann. Kaufleute stehen in der muslimischen Gesellschaft in hohem Ansehen. Von der Freude des Kaufmanns im Nahen Osten am Handeln und Feilschen  kann sich jeder überzeugen, der in Damaskus, Jeddah oder auch Jerusalem einen Basar besucht.

Im Westen hingegen wird der Islam häufig als „antikapitalistisch“ gesehen, was in keiner Weise der Wahrheit entspricht. Im Gegenteil: Anders als in vielen westlichen Staaten sind im Islam Wirtschaft und Gesellschaft nicht wie zwei Gegenpole voneinander getrennt. Der Islam hat vielmehr einen einheitlichen, ganzheitlichen Ansatz zum Leben. Das bedeutet, Wirtschaft, Politik, Soziales und Religion stehen nicht nur in Zusammenhang miteinander, sondern sind eng miteinander verwoben. Wirtschaftliche Aktivität und auch wirtschaftlicher Erfolg genießen im Islam ein wesentlich höheres Ansehen als das in vielen anderen Religionen der Fall ist.

In der westlichen Weltsicht ist der Hauptanreiz zu ökonomischem Handeln die Knappheit der Güter. Zur Befriedigung unbegrenzter Bedürfnisse stehen also nur begrenzte Ressourcen gegenüber. Im Islam besteht eine grundlegend andere Sichtweise. Allah hat den Menschen genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Ungezügelte Bedürfnisse auf der einen und ein Mangel an Leistungsbereitschaft auf der anderen Seite begründen aus Sicht des Islam das ökonomische Problem. Was die Nachfrageseite angeht, unterscheidet der Islam daher zwischen erstrebenswerten, wirklichen Bedürfnissen und nicht erstrebenswerten Wünschen. Ebenso geht der Islam, was die Angebotsseite angeht, davon aus, dass tagtäglich eine Vielzahl von Ressourcen verschwendet werden, z.B. durch unzulässige Aktivitäten wie Alkohol- und Drogenkonsum, Glücksspiel, Prostitution oder Waffenproduktion. Letztere trägt besonders dazu bei, Dinge zu zerstören, also das Angebot unnötig zu verknappen. Da Gott den Menschen genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt hat, ist ökonomische Aktivität – z.B. als Kaufmann – für jeden Muslim obligatorisch und der Islam fordert jeden auf, hart zu arbeiten. Das ökonomische Problem der Knappheit wird also nachfrageseitig durch eine Begrenzung der Bedürfnisse und angebotsseitig durch harte Arbeit gelöst.

Einer der Eckpfeiler des Wertesystems des Islam ist die Anerkennung der menschlichen Treuhänderschaft. Alle Ressourcen und Vermögen auf der Erde gehören einzig und allein Allah, der Mensch agiert lediglich als sein Treuhänder auf Erden. Dadurch sind die Menschen in ihren ökonomischen Aktivitäten allein Allah Rechenschaft schuldig und verpflichtet, auch in ihren wirtschaftlichen Tätigkeiten die Ge- und Verbote des Korans zu achten, wie z.B. die Zahlung der Almosensteuer („Zakat“) und das Zinsverbot („Riba“).  Das Streben nach Wohlstand und Vermögen ist vollkommen legitim und wird vom Islam unterstützt, die reine Spekulation, der Wucherzins und die Weigerung, die Bedürftigen an seinem Vermögen teilhaben zu lassen, widersprechen hingegen eindeutig den Lehren des Koran.